Ego-State-Therapie
Die Ego-State-Therapie ist ein ressourcenfokussierter und körperorientierter Ansatz aus der Traumatherapie, der in den 1970er- und 1980er-Jahren von den US-Amerikanern John und Helen Watkins entwickelt wurde.
Die Methode geht davon aus, dass die menschliche Persönlichkeit nicht aus einem einzigen, sondern aus einer Vielzahl unterschiedlicher Persönlichkeitsanteile – sogenannter Ego-States – besteht. Diese Ego-States haben sich in verschiedenen Lebensabschnitten und Situationen gebildet und bestehen oft über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg in nahezu unveränderter Form fort. Das heißt konkret, dass sich bestimmte Anteile nicht, wie der Rest der Persönlichkeit, weiterentwickeln – sondern in dem Alter und dem Entwicklungsstand in dem sie entstanden sind stehen bleiben. Damit entsprechen auch ihre jeweiligen Wünsche, Bedürfnisse, Limitierungen und Ängste – sowie ihre Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten – dem Alter und Entwicklungsstand ihrer Entstehung.
Schwierig wird es dann, wenn verschiedene Persönlichkeitsanteile in Konflikt miteinander geraten. Ego-States, die aus traumatischen Erlebnissen entstanden sind, stecken meist im alten Schmerz, alter Angst oder alter Wut fest und können in bestimmten Situationen andere Anteile überlagern, dominieren oder blockieren. Betroffene beschreiben diese Zustände oft als Überflutung, weil sie sich dann in ihrem Handeln und Entscheiden nicht mehr frei, sondern von den verletzten, oft kindlichen Anteilen gefangen und gesteuert fühlen. Obwohl eigentlich Ressourcen vorhanden sind, können Betroffene in solchen Momenten dann nicht mehr auf diese zugreifen. Damit kehren oftmals auch alte Gefühle von Hilflosigkeit, Überforderung und Kontrollverlust mit voller Wucht wieder zurück. Um wieder handlungsfähig zu werden und die bestehenden Ressourcen wieder nutzen zu können, ist es erstmal wichtig die oftmals unterdrückten traumatisierten Anteile ausfindig zu machen, mit ihnen in Kontakt zu treten, ihre Bedürfnisse anzuerkennen und sie zu versorgen. Dazu werden häufig auch hypnotherapeutische Elemente, wie Trance eingesetzt.
Wichtige Eigenschaften auf einen Blick
-
- Verwandtschaft zu anderen Psychotherapien mit Teilearbeit (z.B. Schematherapie, Transaktionsanalyse, systemische Therapie mit „internal family system“ oder auch „das innere Team“ von Schultz von Thun)
- Anwendungsgebiete: komplexe Traumafolgestörungen, innere Konflikte, Bindungs- und Entwickluingstrauma, dissoziative Symptome.
- Gut kombinierbar mit anderen traumatherapeutischen Methoden, wie EMDR oder körperorientierten Verfahren.
Ziele der Ego-State-Therapie
-
- Problematische Anteile identifizieren, direkt ansprechen und ihre Bedürfnisse erkennen, ernst nehmen und versorgen.
- Kommunikation und Kooperation zwischen den unterschiedlichen Ego-States verbessern und innere Konflikte auflösen.
- Den gesunden, erwachsenen und lösungsorientierten Anteilen mehr Raum geben, damit diese wieder handlungsfähig werden und tragfähige Lösungen finden und umsetzen können.
